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Project VYNYA : Lesung mit Musik

 

Ein Buch, das seine eigene Musik mitbringt. Ein Konzeptalbum, das eine komplexe Story erzählt: Basierend auf Angelika Saias Science-Fiction-Roman „Thalassa 2098“, entführt Andreas Grobs Progressive-Rock-Konzeptalbum in das cyberpunkige Zürich des Jahres 2098.

 

Die Werke des ustermer Künstlerpaars befruchten sich gegenseitig: Andreas Grob hat den Roman in ein vielschichtiges Musikalbum transformiert. Episch, verspielt, oft unvermutet. Davon inspiriert, verfasste Angelika Saia wiederum die passenden Lyrics. 

So reflektieren sich Literatur und Musik wie in einem Spiegel und verschmelzen zu einer dichten,cineastischen Atmosphäre.

 

Live:

 

· Lesung: Angelika Saia liest Passagen aus ihrem neuen Science-Fiction-Roman „Thalassa 2098“.

 

· Konzert: Andreas Grob interpretiert die Songs des Albums live und solistisch – virtuos untermalt mit E-Gitarre, Loops und Effekten.

Auszug aus dem Roman Thalassa 2098

Im Slum

 

Rostende Autowracks standen am Straßenrand. Schmierereien, deren Sinngehalt sich nur den städtischen Gangs erschloss, bedeckten die von Smog geschwärzten Fassaden der einst respektablen Gebäude.

Unschlüssig stand Thalassa vor dem Kellereingang eines alten, dreistöckigen Wohnblocks. Immerhin war sie nicht beraubt worden. Na ja, einmal abgesehen von den zweihundert Eurodollars, die sie dieser Tipp gekostet hatte. 

Los, klopf an! Sie gab sich einen Ruck und pochte zaghaft an die Tür.

Nichts rührte sich und auch nach lauterem Klopfen erfolgte keine Antwort.

 

Kalte Tropfen fielen aus den schweren Wolken, verdichteten sich und wurden zu Regen. 

Zusammengekauert saß Thalassa einige Meter von der Seitentür entfernt unter dem Vordach des Haupteingangs, hielt ihr Tagebuch auf den Knien und schrieb:

 

Da wäre ich also – vor der Wohnung des Hackers Miro – wenn es denn wahr ist, was mein durchtriebener Führer behauptet hat. Aber Wohnung ist zu viel gesagt: Das ist die Tür eines Bastelkellers oder etwas Ähnlichem.

Man stelle sich vor: Früher haben die Leute noch stundenlang gebastelt – wo haben die nur die Zeit dafür hergenommen? Es gab ja noch nicht mal Computer, die das Leben vereinfacht hätten!

 

***

 

Unter der Regenrinne standen alte Plastikfässer, in denen sich gefrierendes Regenwasser von schmutzig grauer Farbe gesammelt hatte. Die Häuser hier waren längst vom Strom- und Wassernetz entkoppelt worden.

Eine Frau mit stumpfen, klebrigen Haaren und aufreizend tiefem Ausschnitt trat aus der Tür heraus. Eingerahmt von den Türpfosten blieb sie einen Augenblick stehen und warf Thalassa einen feindseligen Blick zu, bevor sie aus den Fässerneinen großen Kessel Wasser schöpfte und wortlos zurück ins Haus stolzierte.

„Touris“ nannten die Anwohner all die Menschen, die aus den reichen Vierteln in die Hinterstadt kamen, um eine wohldosierte Prise Exotik zu schmecken. Man lebte von ihnen – aber lieben tat man sie nicht.

 

Es gibt einen Slum in Zürich, schrieb Thalassa. Nicht irgendwo am Rand, wie der Name Hinterstadt suggeriert, nein: Mitten im Zentrum! Ich wusste nicht, wie die Menschen hier leben. 

Es ist eine völlig andere Welt.

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